Zehn Jahre Wirt­schafts­frauen – und was sie mit mir gemacht haben

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Zehn Jahre. Echte Begeg­nungen. Wachstum außerhalb der Kom­fortzone. Und ein Netzwerk, das größer ist als jede Ein­zelne von uns. Was die Wirt­schafts­frauen für mich wirklich bedeuten – ein per­sön­licher Rück­blick.

Als mich meine damalige Unter­neh­mens­be­ra­terin Cor­nelia Heinz fragte, ob ich sie bei der Gründung eines neuen Unter­neh­me­rinnen-Netz­werks unter­stützen würde, musste ich nicht lange über­legen.

Ich hatte ihre Expertise bereits selbst erlebt und wusste, wie viel Herzblut, Erfahrung und Weit­blick sie in ihre Arbeit ein­bringt. Also sagte ich zu.

Damals ahnte ich aller­dings noch nicht, dass diese Ent­scheidung meinen eigenen beruf­lichen Weg nach­haltig prägen würde.

In den ersten Jahren war ich vor allem begeis­tertes Mit­glied. Ich beob­achtete, lernte, knüpfte Kon­takte und erlebte, wie aus einer Idee langsam ein leben­diger Verein ent­stand. Schon damals sah ich die Poten­ziale – aber auch die Her­aus­for­de­rungen. Denn ein Netzwerk lebt nicht von einem Namen oder einer Satzung. Es lebt von den Men­schen, die bereit sind, sich ein­zu­bringen.

Trotzdem hielt ich mich zunächst eher im Hin­ter­grund.

Nicht, weil ich keine Ideen gehabt hätte. Sondern weil ich eine ganz bestimmte Angst hatte: Respekt vor den anderen Unter­neh­me­rinnen – und die erdrü­ckende Vor­stellung, vor Men­schen zu sprechen.

Heute fällt mir das fast schwer zu glauben. Doch damals löste allein der Gedanke, vor einem Raum voller Unter­neh­me­rinnen zu stehen, regel­rechte Urängste in mir aus. Viele dieser Frauen waren älter als ich, ver­fügten über jahr­zehn­te­lange Erfahrung und beein­dru­ckende Lebens­läufe.

Wie sollte ich ihnen etwas erzählen können, das sie inter­es­siert?

Irgendwann kam der Tag, an dem es kein Aus­weichen mehr gab. Ich sollte einen Vortrag halten. Tagelang bereitete ich mich vor. Und dann stand ich vorne.

Ich erinnere mich kaum noch an den Inhalt. Aber ich erinnere mich an das Gefühl.

Irgendwann ließ ich meine Notizen los. Ich hörte auf, perfekt sein zu wollen. Und begann einfach zu sprechen – über das, was mir wichtig war, was ich wusste, was mich bewegte.

Und plötzlich pas­sierte etwas Uner­war­tetes.

Die Frauen hörten zu. Sie lachten. Sie nickten. Sie waren bei mir.

Nicht, weil mein Vortrag perfekt gewesen wäre. Sondern weil er echt war.

Aus zehn Minuten Auf­regung wurde eine Erfahrung, die vieles ver­ändert hat. Ich habe gelernt, dass Wachstum fast immer außerhalb der eigenen Kom­fortzone beginnt. Und dass Men­schen viel weniger Per­fektion erwarten, als wir selbst glauben.

Mit den Jahren wuchs ich Schritt für Schritt in mehr Ver­ant­wortung hinein – bis hin zu meiner heu­tigen Rolle als 1. Stell­ver­tre­terin des Vor­standes. Nie mit Druck. Nie ins kalte Wasser geworfen. Sondern begleitet, unter­stützt und manchmal lie­bevoll geschubst. Vor allem von Conny.

Was ich dabei gelernt habe, ist für mich heute wahr­scheinlich wert­voller als jede fach­liche Wei­ter­bildung. Ich habe gelernt, Dinge nicht nur aus meiner eigenen Per­spektive zu betrachten. Zusam­men­hänge zu erkennen. Stra­te­gi­scher zu denken. Größer zu denken. Nicht nur die ein­zelne Aufgabe zu sehen, sondern das gesamte Bild dahinter.

Man könnte sagen: Ich habe gelernt, den Blick eines Adlers ein­zu­nehmen.

Und genau das hat nicht nur meine Ver­eins­arbeit ver­ändert, sondern auch meine Arbeit mit meinen Kun­dinnen und Kunden.

Natürlich sind in diesen zehn Jahren auch ganz kon­krete Koope­ra­tionen ent­standen. Web­sites wurden ent­wi­ckelt. Mar­ke­ting­kon­zepte ent­standen. Foto­pro­jekte wurden umge­setzt. Aus Mit­gliedern wurden Kun­dinnen. Aus Kun­dinnen wurden Weg­be­glei­te­rinnen. Und aus manchen Begeg­nungen ent­standen Freund­schaften.

Doch wenn ich heute gefragt werde, was die Wirt­schafts­frauen für mich wirklich bedeuten, denke ich nicht zuerst an Auf­träge.

Ich denke an Ver­trauen. An Aus­tausch. An Rückhalt. An Men­schen, die sich gegen­seitig stärken.

Gerade deshalb halte ich diesen Verein heute für wich­tiger denn je.

Wir leben in einer Zeit, die schnell, laut und oft ober­flächlich geworden ist. Viele Unter­neh­me­rinnen tragen enorme Ver­ant­wortung – für ihr Unter­nehmen, ihre Familien, ihre Mit­ar­bei­tenden, ihre Zukunft. Niemand sollte diesen Weg allein gehen müssen.

Die Wirt­schafts­frauen sind für mich wie ein großer Oktopus mit vielen Armen. Jedes Mit­glied bildet einen dieser Arme. Jede Frau bringt ihre Erfah­rungen, ihr Wissen und ihre Per­sön­lichkeit mit ein. Gemeinsam ent­steht daraus etwas, das größer ist als jede Ein­zelne von uns.

Wir werden sichtbar für­ein­ander. Wir werden sichtbar für die Gesell­schaft. Und wir werden sichtbar für die Politik.

Jede Unter­neh­merin, die ihren Weg geht, leistet weit mehr, als ihr oft bewusst ist. Sie über­nimmt Ver­ant­wortung. Sie schafft Werte. Sie eröffnet Mög­lich­keiten — für sich selbst, für andere Frauen, für die Gene­ra­tionen vor ihr und nach ihr.

Deshalb sind zehn Jahre Wirt­schafts­frauen nicht nur ein Grund zum Feiern. Sie sind ein Grund, nach vorn zu schauen.

Denn die span­nendsten Kapitel ent­stehen selten am Anfang einer Geschichte. Sondern dann, wenn Men­schen gemeinsam beschließen, wei­ter­zu­gehen.

Ich freue mich darauf, diesen Weg auch in Zukunft mit­zu­ge­stalten.

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